Brief des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärin, sehr geehrter Aktionär,

im Jahr 2012 hat sich die BASF gut behauptet. Wir haben bei Umsatz und Ergebnis der Betriebstätigkeit die Spitzenwerte von 2011 übertroffen. Oil & Gas und Agricultural Solutions erreichten neue Rekordwerte, während sich unser Chemiegeschäft schwächer entwickelte als von uns zu Jahresbeginn erwartet. Das Ergebnis nach Steuern lag daher unter dem Wert des Vorjahres.

„Innovationen sind der Kern unserer Wettbewerbs­fähigkeit, und wir haben viele gute Ideen.“

Für die Chemieindustrie war 2012 ein durchwachsenes Jahr: Das Wachstum der weltweiten Chemieproduktion (ohne Pharma) ging von 3,8% im Jahr 2011 auf 2,6% zurück. Die Schwellenländer Asiens zeigten im ersten Halbjahr eine markante Wachstumsschwäche. Die erwartete Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr blieb aus. In diesem Umfeld ist es uns nicht gelungen, den Absatz im Chemiegeschäft zu steigern. Gleichzeitig lagen die Rohstoffkosten höher als im Vorjahr.

Für die Kapitalmärkte war 2012 ein volatiles, aber insgesamt erfolgreiches Jahr. Die Aktie der BASF hat sich gut entwickelt und lag Ende Dezember 2012 mit 71,15 € um 32% über dem Schlusskurs von 2011. Bei Wiederanlage der Dividende legte die Aktie um 37% zu und schnitt damit erneut deutlich besser ab als die deutschen und europäischen Aktienmärkte sowie die weltweiten Chemiebranchenindizes.

Für Sie ist in diesen Zeiten Stabilität und Verlässlichkeit besonders wichtig. Wir bleiben daher unserer Dividendenpolitik treu: Der Hauptversammlung schlagen wir Ende April 2013 vor, die Dividende um 4,0% auf 2,60 € zu erhöhen, was einer Dividendenrendite von 3,65% entspricht.

Ein Jahr „We create chemistry“-Strategie

Dividende

2,60 €

(+4,0 %)

Der Haupt­versammlung schlagen wir eine Dividende von 2,60 € vor, eine Steigerung von 0,10 € gegenüber dem Vorjahr.

Wir sehen hervorragende Wachstumschancen für die Chemieindustrie und insbesondere für die BASF. Immer mehr Menschen leben auf dieser Erde. Sie brauchen mehr Rohstoffe, mehr und gesunde Nahrungsmittel, sie alle wollen ihre Lebensqualität verbessern. Die Chemie schafft dafür die Voraussetzungen und hilft, schonend mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Beispiele sind bessere Autokatalysatoren, leichtere Fahrzeuge, noch wirksamere und sparsam einsetzbare Pflanzenschutzmittel. In diesem Bericht finden Sie weitere Innovationen und Produkte, mit denen wir nachhaltig wachsen wollen, indem wir wirtschaftlichen Erfolg mit dem Schutz der Umwelt und sozialer Verantwortung verbinden. Dies haben wir in unserem Unternehmenszweck zusammengefasst: „We create chemistry for a sustainable future“.

Um die Erwartungen unserer Kunden in den Schwellenländern noch besser zu erfüllen, haben wir 2012 ein Forschungszentrum in Schanghai eröffnet. Außerdem investieren wir in die Entwicklung und Produktion von Batteriematerialien: Leistungsfähige und günstigere Batterien sind die wichtigste Voraussetzung für mehr Elektromobilität. So haben wir im vergangenen Jahr eine Reihe kleinerer Hersteller von Batteriechemikalien erworben, die Produktion von Kathodenmaterialien in den USA aufgenommen und unsere Forschung verstärkt – wohlwissend, dass wir einen langen Atem für den Markterfolg brauchen werden.

Profitabel wachsen wollen wir mit Produkten für Gesundheit und Functional Crop Care. Im vergangenen Jahr haben wir Equateq, einen Hersteller von hochkonzentrierten Omega-3-Fettsäuren mit Sitz in Großbritannien, übernommen und den Aktionären des norwegischen Herstellers von Omega-3-Fettsäuren Pronova ein Übernahmeangebot unterbreitet. Diese Transaktion konnten wir schon Ende Januar 2013 erfolgreich abschließen. Hochkonzentrierte Omega-3-Fettsäuren sind ein weltweiter Wachstumsmarkt, der vom steigenden Bewusstsein der Konsumenten für die positiven Effekte von Omega-3-Produkten profitieren wird. In den USA haben wir Becker Underwood erworben, einen führenden Anbieter von Technologien zur biologischen Saatgutbehandlung sowie von biologischen Pflanzenschutzprodukten.

Die Pflanzenbiotechnologie ist ein wichtiger Baustein, um eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. In weiten Teilen Europas fehlt jedoch die Akzeptanz, gentechnisch modifizierte Pflanzen zu entwickeln und anzubauen. Daher haben wir unsere Pflanzenbiotechnologie-Aktivitäten von Europa in die USA verlagert.

Auch bei Oil & Gas haben wir die Weichen für weiteres Wachstum gestellt. Neben einer erfolgreichen Explorationstätigkeit haben wir uns Zugang zu weiteren Öl- und Gasreserven verschafft. Im Zuge eines Asset-Tauschs mit Statoil erwerben wir Anteile an produzierenden Feldern in der Nordsee. Unsere Kooperation mit Gazprom in der Öl- und Gasförderung in Westsibirien wollen wir ausbauen und im Gegenzug unseren 50-prozentigen Anteil am Gashandels- und Speichergeschäft vollständig an unseren langjährigen Partner übertragen.

Wachstumskurs 2013

2013 wird ein anspruchsvolles Jahr: Wir rechnen weiterhin mit einem unbeständigen Umfeld. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird gegenüber 2012 voraussichtlich leicht zunehmen. Unser Ziel ist es, auch 2013 wieder zu wachsen und das Ergebnis der Betriebstätigkeit zu verbessern. Um uns noch stärker auf unsere Kunden einzustellen und die operative und technologische Exzellenz zu steigern, haben wir unter anderem unsere Organisation und Segmentstruktur weiterentwickelt. Wir werden auch die Kosten im Griff behalten. Mit unserem Programm STEP verbessern wir unsere Produktivität und internen Prozesse in allen Bereichen und Regionen. STEP wird ab Ende 2015 jährlich rund 1 Milliarde € zum Ergebnis beisteuern.

Innovationen sind der Kern unserer Wettbewerbsfähigkeit, und wir haben viele gute Ideen. Daher werden wir unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2013 erneut steigern, nachdem wir im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden € aufgewendet haben.

2013 werden wir auch unsere Investitionen in Sachanlagen erhöhen – sowohl in den Schwellenländern als auch in Europa. Neue Chancen ergeben sich in Nordamerika. Dort sind durch die Förderung von Schiefergas die Energie- und Rohstoffkosten drastisch gesunken, ein wichtiger Faktor für die Chemie. In Europa wird Schiefergas einseitig unter ökologischen Gesichtspunkten diskutiert. Tatsächlich braucht Europa mehr Wachstum und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit. Dies setzt eine ausgewogene Diskussion von Chancen und Risiken voraus – die derzeitige Energiepolitik liefert hierfür nicht die Voraussetzungen.

In der BASF steckt viel Tatkraft. Unsere zweite globale Befragung hat gezeigt, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in hohem Maße mit der BASF verbunden fühlen. Ihnen gilt mein herzlicher Dank, denn unser Erfolg ist nur möglich mit ihrer Kompetenz und ihrem hohen Einsatz.

Bedanken möchte ich mich auch bei Ihnen für Ihr Vertrauen im vergangenen Jahr. Ich wünsche mir, dass Sie uns dieses Vertrauen weiterhin schenken. Wir setzen auf Innovation, um unsere Kunden erfolgreicher zu machen, und wir wollen für unsere Aktionäre attraktive Renditen erwirtschaften. Dafür arbeiten meine Kollegen und ich mit aller Kraft.

Ihr
Dr. Kurt Bock