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Entwicklung der chemischen Industrie

Entwicklung der chemischen Industrie 2012

  • Weltweite Chemieproduktion (ohne Pharma) wuchs im Vorjahresvergleich deutlich geringer (2012: +2,6 %; 2011: +3,8 %)
  • Nachfrage stieg weniger stark als 2011
  • Rückgang der Chemieproduktion in der Europäischen Union um 1,4 %
  • Rohölpreis der Sorte Brent etwa auf hohem Vorjahresniveau
Chemieproduktion (ohne Pharma) 2012
Reale Veränderung gegenüber Vorjahr
Chemieproduktion (ohne Pharma) 2012 (Balkendiagramm)Bild vergrößern

Das weltweite Wachstum der Chemieproduktion (ohne Pharma) war im Jahr 2012 mit 2,6 % deutlich geringer als im Vorjahr (+3,8 %) und als von uns ursprünglich für 2012 prognostiziert (+4,1 %). Die erwartete Belebung der Nachfrage im zweiten Halbjahr trat nicht ein.

Verglichen mit dem Vorjahr, nahm die Nachfrage nach Produkten der chemischen Industrie (ohne Pharma) 2012 deutlich langsamer zu. Maßgeblich hierfür waren die schwache konjunkturelle Entwicklung in den Industrieländern und das verhaltene Wachstum in vielen Schwellenländern. In Erwartung sinkender Preise agierten viele Abnehmer chemischer Produkte darüber hinaus zurückhaltend beim Aufbau von Lagerbeständen.

Nach einem schwachen Wachstum im Vorjahr (+1,7 %) ging die Chemieproduktion in der Europäischen Union 2012 um 1,4 % zurück. In Deutschland war das Produktionsniveau bereits im vierten Quartal 2011 erheblich unter den Jahresmittelwert gesunken. Dieser Rückgang konnte im Verlauf des Jahres 2012 nicht aufgeholt werden, so dass die Produktion im Jahresdurchschnitt um 3,1 % sank. Auch in Italien und im Vereinigten Königreich waren erhebliche Produktionsrückgänge zu verzeichnen.

In den USA stieg die Chemieproduktion mit 2,5 % etwas stärker als 2011 (+1,5 %). Die dortige Chemieindustrie profitierte von geringen Gaspreisen und einer hohen Nachfrage, insbesondere aus der Automobilindustrie.

Infolge der allgemeinen konjunkturellen Abschwächung verzeichnete die Chemieproduktion in Asien (ohne Japan) eine geringere Wachstumsdynamik als im Vorjahr (2012: +7,7 %; 2011: +9,0 %). Im weltweit größten Chemiemarkt China stieg die Produktion um 10,6 %; in Indien wuchs sie nur um 1,3 %.

In Japan konnte die Chemieindustrie nicht wie erwartet vom Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe im Jahr 2011 profitieren; die Produktion sank um 4,5 % (2011: –3,7 %). Der starke Yen und hohe Rohstoffkosten beeinträchtigten die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Erhebliche Produktionsrückgänge in wichtigen Abnehmerbranchen führten zu einer geringeren Nachfrage nach chemischen Vorprodukten.

In Südamerika war das Wachstum der Chemieproduktion mit 1,9 % schwächer als in den vergangenen Jahren (2011: +3,1 %). In Brasilien nahm die Produktion wegen des geringen Wachstums der Abnehmerindustrien nur um 1,4 % zu.

Preisentwicklung für Rohöl (Brent) und Naphtha (US$/Barrel, US$/Tonne)
Preisentwicklung für Rohöl und Naphtha (Liniendiagramm)Bild vergrößern

Der Rohölpreis der Sorte Brent lag 2012 mit durchschnittlich knapp 112 US$/Barrel etwa auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Im Jahresverlauf schwankten die Notierungen erheblich. Zu Beginn des Jahres stieg der Ölpreis infolge der Spannungen im Nahen Osten sowie auf Grund der anziehenden Nachfrage deutlich; er erreichte im März seinen höchsten monatlichen Durchschnittswert (125 US$/Barrel). Anschließend sank der Ölpreis auf einen Monatsdurchschnitt von 96 US$/Barrel im Juni. In der zweiten Jahreshälfte führte unter anderem das Embargo der Europäischen Union für Öllieferungen aus dem Iran zu einem erneuten Anstieg des Rohölpreises.

Der monatliche Durchschnittspreis für den Chemierohstoff Naphtha schwankte im Verlauf des Jahres zwischen über 1.065 US$/Tonne im März und 732 US$/Tonne im Juni. Im Jahresdurchschnitt 2012 lag der Preis für Naphtha mit 937 US$/Tonne etwa auf dem Niveau des Jahres 2011.

Der US-amerikanische Gaspreis lag im Jahresdurchschnitt mit weniger als 3 US$/mmbtu auf einem deutlich niedrigeren Niveau als 2011 (4 US$/mmbtu). In der Europäischen Union stieg der durchschnittliche Gaspreis dagegen im Vergleich zum Vorjahr um rund 10 % auf über 11 US$/mmbtu an.