Brief des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärin, sehr geehrter Aktionär,

mitunter werde ich gefragt: Kann ein Chemieunternehmen überhaupt nachhaltig sein? Oft stellt sich dann im Gespräch heraus, dass „nachhaltig“ für viele gleichbedeutend ist mit „umweltfreundlich“. Tatsächlich ist das nur ein Teil von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit umfasst außerdem wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte und ist damit deutlich komplexer. In diesem Bericht können Sie verfolgen, wie BASF beim Thema Nachhaltigkeit vorangekommen ist.

Schauen wir zunächst auf die wirtschaftlichen Kennzahlen: Wir haben 2013 Umsatz und Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr steigern können. Unser Ziel haben wir somit erreicht. Es war ein anspruchsvolles Jahr mit viel Gegenwind für die Industrie. Hinzu kamen deutlich negative Währungseffekte in zahlreichen Schwellenländern und Japan. Wir haben dennoch mehr verkauft, mit unseren Kunden enger zusammengearbeitet und unser Portfolio weiterentwickelt. Dies ist die Leistung unseres Teams, unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei denen ich mich – auch im Namen meiner Vorstandskollegen – herzlich bedanke.

Der Kurs der BASF-Aktie ist um 9 % gestiegen und lag Ende 2013 bei 77,49 €. Wir schlagen Ihnen vor, die Dividende wiederum zu erhöhen, um 0,10 € auf 2,70 €. Dies entspricht einer Dividendenrendite von 3,48 %.

Wie hilft Chemie der Umwelt und den Menschen?

Mit unserem Unternehmenszweck „We create chemistry for a sustainable future“ drücken wir aus, wofür BASF steht. Wir entwickeln und produzieren für und mit unseren Kunden neue Produkte und Lösungen für eine wachsende Weltbevölkerung und gehen dabei mit unseren Ressourcen so sparsam wie möglich um. Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sind gefragt. Gerade die Chemie ist in der Verantwortung, denn sie beliefert fast alle Branchen.

Der Gedanke, aus vorhandenen Ressourcen mehr herauszuholen, beschäftigt BASF seit ihrer Gründung 1865. Der Unternehmer Friedrich Engelhorn nutzte das Abfallprodukt Steinkohleteer, um daraus Anilin und den roten Farbstoff Fuchsin herzustellen. Abfallprodukte an anderer Stelle als Ausgangsstoffe einzusetzen – aus dieser Idee sind im Laufe unserer fast 150-jährigen Geschichte große, sehr effiziente Chemiestandorte in Europa, Asien, Nord- und Südamerika entstanden. Überall arbeiten wir daran, die Nachhaltigkeit von Prozessen weiter zu steigern. 2013 haben wir uns beispielsweise im Bereich Enzyme verstärkt. Enzyme bringen als Biokatalysatoren chemische Prozesse in Gang oder beschleunigen sie. Das spart Energie und Kosten.

Wir stellen auch Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen her, allerdings mit kritischem Blick: Nicht alles, was nachwächst, ist auch nachhaltig. Wo dies sinnvoll ist, wollen wir den Anteil nachwachsender Rohstoffe erhöhen. Dazu müssen wir neue Verfahren entwickeln und vom Labor in die Fabrik bringen. Ein Beispiel ist die Technologie des amerikanischen Unternehmens Renmatix, aus Holz, landwirtschaftlichen Abfällen oder Stroh Industriezucker herzustellen. Das Verfahren entwickeln wir in enger Zusammenarbeit weiter.

Allerdings werden nachwachsende Rohstoffe fossile nicht ersetzen können. Erdgas und Erdöl werden weltweit die dominierenden Energieträger und Rohstoffe bleiben. Mehr Menschen auf der Welt brauchen mehr Energie. Das ist der Grund, warum wir unser Öl-und-Gas-Geschäft um- und stetig ausbauen. Wir setzen darauf, neue Quellen zu erschließen sowie Öl und Gas zu fördern. Unser Gashandels- und Speichergeschäft wird unser langjähriger Partner Gazprom übernehmen. Den Vertrag haben wir im Dezember unterschrieben. Dafür erhalten wir Anteile an Erdgas- und Kondensatfeldern in Westsibirien. Auch in Norwegen haben wir unsere Produktion durch den Erwerb von Vermögensteilen von Statoil gesteigert. Dies hat sich bereits positiv auf Ertrag und Cashflow ausgewirkt.

Erfindergeist, Innovationsfreude, Kundenorientierung, Kostenbewusstsein und Tatkraft – das alles sind Voraussetzungen für unseren Erfolg. Unerlässlich sind aber auch wettbewerbsfähige Rohstoff- und Energiekosten.

Noch vor wenigen Jahren wurde befürchtet, dass fossile Energieträger knapp und weltweit immer teurer werden. Beides ist nicht eingetreten, im Gegenteil: Die USA setzen auf preiswertes Schiefergas, China auf günstige Kohle. Nur in Europa – und insbesondere in Deutschland – steigen die Energiekosten im Wesentlichen durch regulatorische Eingriffe weiter, was den ohnehin bestehenden Wettbewerbsnachteil für energieintensive Industrien verschärft. Kein Kunde bezahlt auf dem Weltmarkt einen höheren Preis für ein Standardprodukt, nur weil in Europa Energie teurer ist. Welche Folgen diese Entwicklungen haben, können Sie in diesem Bericht lesen: BASF wird in den nächsten fünf Jahren im Verhältnis weniger stark in Europa investieren, der Anteil wird unter 50 % sinken. Dies zeigt, wie attraktiv Asien, aber auch die USA, für unsere Basisprodukte geworden sind und dass Europa an Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Wohin geht die Reise 2014?

„Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können: forschen, entwickeln und unseren Kunden attraktive Lösungen anbieten“
 

Auch im Jahr 2014 erwarten wir keinen starken Rückenwind. Dennoch sind wir vorsichtig optimistisch, was die wirtschaftliche Entwicklung weltweit angeht. Unser Ziel ist es, erneut das Ergebnis zu steigern. Dazu werden wir uns auf das konzentrieren, was wir gut können: forschen, entwickeln und unseren Kunden attraktive Lösungen anbieten. Wir wollen unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung wiederum erhöhen. 2013 haben wir 1,8 Milliarden € aufgewendet. Absolut gesehen stehen wir damit in der Chemieindustrie an erster Stelle.

Wir bringen weiterhin unsere Erfahrungen ein, um eine nachhaltige Entwicklung zu gestalten. Beispielsweise arbeiten wir mit an den Zukunftsthemen der Vereinten Nationen, der „Post-2015-Development-Agenda“. Bereits seit 2000 ist BASF Teil des Netzwerks UN Global Compact aus Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft und Politik. Im vergangenen Jahr haben wir ein Gremium gegründet, das uns auf unserem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleitet: Es besteht aus Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft und berät den BASF-Vorstand, wie wir Nachhaltigkeit noch stärker in der BASF verankern können.

Für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, wollen wir so weiterhin attraktive Renditen erwirtschaften. Dafür steht das gesamte BASF-Team.

Dr. Kurt Bock