Kurzfristig wirksame Chancen und Risiken

Entwicklung der Nachfrage

  • Entwicklung der Nachfrage auf Absatzmärkten zählt zu den größten Chancen und Risiken
  • Negative Auswirkungen auf die Nachfrage durch Zuspitzung der Staatsschuldenkrise in Europa und nachlassendes Wirtschaftswachstum in China möglich

Nachfrageschwankungen auf Grund der Volatilität des Marktwachstums: Zu den größten Chancen und Risiken gehört die Entwicklung unserer Absatzmärkte. Unsere Annahmen bezüglich der kurzfristigen Wachstumsraten der Weltwirtschaft, der Regionen und wichtiger Abnehmerindustrien, wie etwa der Chemie-, Automobil- und Baubranche, legen wir detailliert im Abschnitt Wirtschaftliche Rahmenbedingungen dar. Auf der Grundlage dieses Basisszenarios planen wir, im Chemiegeschäft in allen Segmenten ein Mengenwachstum zu erzielen. Über das Basisszenario hinaus betrachten wir auch Risikoszenarien. Dazu gehört etwa eine erneute Zuspitzung der Staatsschuldenkrise in Europa, die die private Nachfrage dämpfen, Investoren verunsichern und die Refinanzierungsfähigkeit von Unternehmen einschränken würde. In diesem Fall wäre in Europa mit einer erneuten Rezession und einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Ein sich stärker als erwartet abschwächendes Wachstum in China gehört ebenfalls zu den relevanten Risiken. Trotz der Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte 2013 besteht die Gefahr, dass eine stärkere Ausrichtung des Wirtschaftswachstums auf den privaten Konsum nicht ohne kurzfristige Einbußen gelingt. Weiterhin zeigte sich im Verlauf des Jahres 2013, dass der chinesische Interbankenmarkt auf Liquiditätsverknappungen mit starken Zinsausschlägen reagiert.

In den Risikoszenarien ist ein nachfragebedingter Rückgang des Ölpreises zu erwarten; der Euro würde gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Basisszenario abwerten, da vor allem Europa verschuldungsbezogenen Risiken ausgesetzt ist. Wir schätzen eine massive US-Staatsschuldenkrise als unwahrscheinlich ein.

Aus Witterungseinflüssen können sich positive wie auch negative Effekte auf unser Pflanzenschutzgeschäft ergeben.

Margenvolatilität

  • In einigen Wertschöpfungsketten Überangebot und in der Folge sinkende Margen möglich
  • Rohstoffkosten auf gleichbleibend hohem Niveau
  • Bei Nachfragerückgang zunehmendes Risiko, die Rohstoffkosten nicht an den Markt weitergeben zu können

Margenvolatilität auf Grund schwankender Rohstoffpreise und/oder eines schwankenden Produktangebots: Für 2014 gehen wir generell von stabilen Margen aus. Bei einigen Produkten und Wertschöpfungsketten könnten jedoch zum Beispiel neue Kapazitäten den Margendruck erhöhen. Dies würde sich negativ auf unser Ergebnis auswirken.

Der Ölpreis der Sorte Brent betrug im Jahresdurchschnitt 2013 rund 109 US$/Barrel und war damit geringfügig niedriger als im Vorjahr. Für 2014 erwarten wir im Durchschnitt einen Ölpreis von 110 US$/Barrel. Wir rechnen daher auch bei den für uns wesentlichen Rohstoffen und petrochemischen Grundprodukten mit einem weiterhin hohen Preisniveau. Sollte es zu einem deutlichen Nachfragerückgang kommen, könnte dieser signifikante Margeneinbußen und Abschreibungsbedarf auf Lagerbestände zur Folge haben. Den Einfluss des Ölpreises verringern wir durch den Beitrag unseres Öl-und-Gas-Geschäfts, dessen Ergebnis mit einem Anstieg des Jahresdurchschnittsölpreises (Brent) um 1 US$ pro Barrel um circa 15 Millionen € steigt.

Regulierung

  • Risiken unter anderem aus der Regulierung der Verwendung von Chemikalien und der Verstärkung geopolitischer Spannungen
  • Chancen für unser Katalysatorgeschäft durch Verschärfung der Emissionsrichtlinien für Automobile
  • Aus der Energiepolitik ergeben sich Risiken und Chancen

Regulierung und politische Risiken: Durch die 2007 in Kraft getretene europäische Chemikalienverordnung REACH besteht das Risiko, dass unsere europäischen Kunden und wir durch die kostenintensiven Test- und Registrierungsverfahren gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern benachteiligt werden.

Risiken gehen für uns ferner von einer weiteren Regulierung beispielsweise der Verwendung von Chemikalien, der Verschärfung geopolitischer Spannungen, einer Destabilisierung politischer Systeme und der Errichtung von Handelsbarrieren, wie zum Beispiel chinesische Ausfuhrbeschränkungen für Seltene Erden oder OPEC-Quoten für die Ölförderung, aus. Weiterhin beobachten wir aufmerksam die politische Lage in Argentinien, die im Jahr 2012 zur Verschärfung von Devisenbeschränkungen geführt hatte.

Seit Dezember 2013 prüft die EU-Kommission, ob die Befreiung stromintensiver Unternehmen von der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien („EEG-Umlage“) in Deutschland einen Verstoß gegen das EU-Beihilferecht darstellt. Hieraus erwächst für BASF kein wesentliches Risiko, da wir Strom zu großen Teilen in eigenen Kraftwerken produzieren und die Eigenstromerzeugung nicht der EEG-Umlage unterliegt. Im Rahmen der EEG-Novelle im Jahr 2014 prüft die Bundesregierung jedoch eine teilweise Einbeziehung der Eigenstromproduktion von Unternehmen in das EEG-Umlagesystem. Die derzeit diskutierte Regelung würde pro Jahr erhebliche zusätzliche Kosten verursachen und unsere Wettbewerbsfähigkeit an deutschen Produktionsstandorten beeinträchtigen.

Im Gegensatz dazu sehen wir in dem in Deutschland beschlossenen Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie, der weltweiten Förderung des Ausbaus der regenerativen Energien sowie den Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz die Chance auf eine höhere Nachfrage nach unseren Produkten. Beispielsweise bieten wir neben Dämmstoffen für Gebäude auch vielfältige Lösungen für Windkraftanlagen an. Von Verschärfungen der Emissionsrichtlinien für Automobile profitiert unser Katalysatorgeschäft.

Lieferengpässe

  • Vermeidung ungeplanter Abstellungen durch hohe technische Standards und Diversifikation im Rahmen unseres weltweiten Produktionsverbunds
  • Minderung von Beschaffungsrisiken durch ein breites Portfolio, globale Einkaufsaktivitäten und gezielte Lieferantenauswahl

Lieferengpässe durch Unterbrechungen der Produktion oder der Lieferkette sowie durch Engpässe in der Rohstoffversorgung: Ungeplante Anlagenabstellungen versuchen wir durch die Einhaltung hoher technischer Standards und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Anlagen zu vermeiden. Die Auswirkungen einer ungeplanten Abstellung werden durch die Diversifikation im Rahmen unseres weltweiten Produktionsverbunds reduziert.

Beschaffungsrisiken mindern wir durch ein breites Portfolio, weltweite Einkaufsaktivitäten sowie durch den Kauf zusätzlicher Rohstoffe auf den Spotmärkten. Wir vermeiden es, soweit möglich, Rohstoffe von einem einzigen Lieferanten zu beziehen. Sofern dies nicht möglich ist, versuchen wir, Wettbewerb zu schaffen oder gehen diese Beziehung bewusst ein und bewerten die Auswirkung möglicher Ausfälle. Wir beobachten kontinuierlich die Bonität wichtiger Geschäftspartner – Kunden wie Lieferanten.

Informationstechnische Risiken: Die BASF ist auf eine Vielzahl von IT-Systemen angewiesen. Die Nichtverfügbarkeit kritischer IT-Systeme und Anwendungen kann eine direkte Auswirkung auf die Produktion und die Logistikabwicklung haben. Sollten Daten verlorengehen oder manipuliert werden, kann dies beispielsweise die Anlagensicherheit und die Richtigkeit unserer Finanzberichterstattung beeinträchtigen. Unbefugter Zugriff auf sensible Daten, wie zum Beispiel Personalstammdaten, wettbewerbsrechtlich relevante Informationen oder Forschungsergebnisse, kann haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen oder unsere Wettbewerbsposition gefährden.

Um derartige Risiken zu minimieren, verfügt die BASF anwendungsspezifisch über stabile und redundant ausgelegte IT-Systeme, Back-up-Verfahren, Viren- und Zugangsschutz, Verschlüsselungssysteme sowie integrierte, gruppenweit standardisierte IT-Infrastrukturen und Anwendungen. Die im Einsatz befindlichen Systeme zur Informationssicherheit werden permanent geprüft und fortlaufend aktualisiert. Zudem werden unsere Mitarbeiter regelmäßig im Informations- und Datenschutz geschult. Das IT-Risikomanagement erfolgt über einheitliche Regeln bei Organisation und Anwendung sowie ein darauf aufbauendes internes Kontrollsystem.

Rechtsstreitigkeiten und -verfahren

  • Begrenzung von Rechtsrisiken mit Hilfe des internen Kontrollsystems
  • Möglichst realistische Abschätzung der monetären Effekte aus Rechtsstreitigkeiten und -verfahren
  • Regelmäßige Schulung von Mitarbeitern im Rahmen des konzernweiten Compliance-Programms

Rechtsstreitigkeiten und -verfahren: Zur Beurteilung von Risiken aus laufenden Rechtsstreitigkeiten und -verfahren sowie eines etwaigen Rückstellungsbedarfs erstellen wir eigene Analysen und Bewertungen der Sachverhalte und geltend gemachter Ansprüche und ziehen im Einzelfall die Ergebnisse vergleichbarer Verfahren und unabhängige Rechtsgutachten heran. Außerdem treffen wir Annahmen über Eintrittswahrscheinlichkeiten und Bandbreiten möglicher Inanspruchnahmen. Die tatsächlichen Belastungen können von diesen Einschätzungen abweichen.

Risiken aus möglichen Rechts- oder Gesetzesverletzungen begrenzen wir durch unser internes Kontrollsystem. Beispielsweise versuchen wir durch umfangreiche Abgrenzungsrecherchen, Patent- und Lizenzkonflikte weitgehend zu vermeiden. Im Rahmen unseres konzernweiten Compliance-Programms werden unsere Mitarbeiter regelmäßig geschult.