Langfristig wirksame Chancen und Risiken

Langfristige Entwicklung

  • Jährliches Wachstum der globalen Chemieproduktion von im Durchschnitt 4 % erwartet; Wachstumsrisiken bei langfristiger Stagnation als Folge der Staatsschuldenkrisen
  • Überdurchschnittliches Wachstum der BASF angestrebt
  • Aktives Portfoliomanagement: Nutzung von Chancen mittels gezielter Investitionen in Produktionskapazitäten, F+E-Aktivitäten und Akquisitionen; Risikominimierung durch Devestitionen

Langfristige Nachfrageentwicklung: Unsere „We create chemistry“-Strategie arbeitet mit der Annahme, dass die Chemieproduktion (ohne Pharma) weltweit bis 2020 mit durchschnittlich 4 % pro Jahr wächst – und damit schneller als das globale Bruttoinlandsprodukt und auch etwas schneller als in den vergangenen zehn Jahren. Durch unser marktorientiertes und breites Portfolio, das wir in den kommenden Jahren durch Investitionen in neue Produktionskapazitäten, F+E-Aktivitäten sowie Akquisitionen weiter stärken werden, wollen wir unseren Umsatz mit durchschnittlich 6 % jährlich deutlich stärker steigern. So haben wir uns für 2020 ein ambitioniertes Umsatzziel von 110 Milliarden € gesetzt und streben an, unser Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen (EBITDA) auf 22 Milliarden € zu steigern.

Sollte es im Zuge der anhaltenden Staatsschuldenkrisen zu einer Dämpfung des globalen Wirtschaftswachstums kommen, können sich diese Ziele als zu ambitioniert herausstellen. Durch unseren hohen Diversifikationsgrad über verschiedene Abnehmerbranchen und -regionen rechnen wir aber auch dann mit einem Wachstum über dem Marktdurchschnitt.

Entwicklung der Wettbewerbs- und Kundenlandschaft: Wir rechnen damit, dass Wettbewerber aus Schwellenländern in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Weiterhin gehen wir davon aus, dass viele Rohstoffanbieter ihre Wertschöpfungsketten ausweiten werden. Diesem Risiko begegnen wir mit einem aktiven Portfoliomanagement. Wir ziehen uns aus Märkten zurück, bei denen die Risiken die Chancen überwiegen und wir langfristig keine ausreichenden Möglichkeiten sehen, uns von unseren Wettbewerbern zu differenzieren. So werden wir beispielsweise mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. April 2013 die Trennung vom Gashandels- und Gasspeichergeschäft im Rahmen eines Tauschs von Vermögenswerten mit Gazprom vollziehen.

Unsere operative Exzellenz verbessern wir kontinuierlich, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Hierzu dient auch unser strategisches Exzellenzprogramm STEP. Aus den mehr als 100 Einzelprojekten erwarten wir ab Ende 2015 einen Ergebnisbeitrag von jährlich rund 1 Milliarde €.

Um dauerhaft profitabel zu wachsen, legen wir unsere Forschungs- und Geschäftsschwerpunkte auf innovationsstarke Geschäftsfelder, die wir zum Teil über strategische Kooperationen erschließen.

Innovation

  • Wesentlicher Bestandteil unserer Wachstumsstrategie
  • Risikominderung durch Wissensverbund sowie kontinuierliche Überprüfung von Effizienz, Erfolgschancen und Rahmenbedingungen von Forschungsprojekten
  • Kontinuierlicher Dialog mit Partnern und Kunden zur Verbesserung der Erfolgschancen

Innovation: In unseren Kundenindustrien beobachten wir einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit. Die sich daraus ergebenden Chancen wollen wir durch Innovationen nutzen – vor allem in den von uns identifizierten Wachstumsfeldern. Dazu gehören unter anderem Batterien für Mobilität, Functional Crop Care zur Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft, Lösungen für die Wasseraufbereitung und Technologien für die Nutzung regenerativer Energien wie Windkraft, Solarthermie und Photovoltaik.

Neue Produkte, deren Markteinführung im Zeitraum zwischen 2011 und 2020 erfolgt, sollen 2020 einen Umsatzbeitrag von 30 Milliarden € leisten. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir weiterhin etwa 3 % unseres Umsatzes (ohne Oil & Gas) in Forschung und Entwicklung investieren. Dem Risiko eines technischen oder wirtschaftlichen Scheiterns von Forschungs- und Entwicklungsprojekten begegnen wir durch ein ausgewogenes und umfangreiches Projektportfolio sowie durch eine professionelle Projektsteuerung (F+E-Controlling).

Die Effektivität und Effizienz unserer Forschungsaktivitäten optimieren wir durch unseren weltweiten Wissensverbund sowie durch die Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden. Außerdem überprüfen wir in einem Programm- und Projektmanagementprozess fortlaufend die Erfolgschancen und Rahmenbedingungen von Forschungsprojekten in den verschiedenen Phasen von der Ideenfindung bis zur Produkteinführung. Für die erfolgreiche Einführung neuer Technologien ist das Vertrauen der Kunden und Verbraucher unverzichtbar. Deshalb treten wir bereits in einem frühen Stadium der Entwicklung in den Dialog mit den Stakeholdern.

Investitionen

  • Investitionsentscheidungen auf Grundlage von Annahmen zu Markt-, Margen- und Kostenentwicklung, der Rohstoffverfügbarkeit sowie Länder-, Währungs- und Technologierisiken
  • Chancen und Risiken durch abweichende Entwicklung
  • Risikominimierung bei der Projektumsetzung durch Einsatz eines erfahrenen Projektmanagements und -controllings

Weiterentwicklung des Portfolios durch Investitionen: Wir erwarten, dass der Anstieg der Chemieproduktion in den Schwellenländern in den kommenden Jahren deutlich über dem globalen Durchschnitt liegen wird. Die sich daraus ergebenden Chancen wollen wir nutzen, indem wir unsere Präsenz vor Ort ausweiten. Hierzu wollen wir zwischen 2011 und 2020 mehr als ein Drittel unseres Investitionsvolumens in Schwellenländern einsetzen.

Die Entscheidungen über Art, Umfang und Standort unserer Investitionsprojekte beruhen auf Annahmen bezüglich der langfristigen Markt-, Margen- und Kostenentwicklung, der Rohstoffverfügbarkeit sowie zu Länder-, Währungs- und Technologierisiken. Chancen und Risiken ergeben sich immer dann, wenn die reale Entwicklung von unseren Annahmen vor allem bezüglich Nachfrageentwicklung und Wettbewerbsintensität abweicht.

In der Umsetzungsphase bedienen wir uns eines erfahrenen Projektmanagements und -controllings, um technische Risiken sowie das Risiko von Kosten- und Terminüberschreitungen zu minimieren.

Akquisitionen: Auch künftig werden wir unser Portfolio durch Akquisitionen weiterentwickeln, die ein überdurchschnittliches rentables Wachstum versprechen, innovationsgetrieben sind, einen Mehrwert für unsere Kunden bieten und unsere Ergebniszyklizität reduzieren.

Die Bewertung von Chancen und Risiken spielt bereits bei der Prüfung potenzieller Akquisitionsziele eine wesentliche Rolle. Eine detaillierte Analyse und Quantifizierung erfolgt im Rahmen der Due Diligence. Risiken sind beispielsweise erhöhte Personalfluktuation, eine verzögerte Realisierung von Synergien oder aber die Übernahme von im Vorfeld nicht exakt quantifizierbaren Verpflichtungen. Sollten unsere diesbezüglichen Erwartungen nicht eintreten, können sich Risiken wie beispielsweise Wertminderungsbedarf bei immateriellem Vermögen ergeben; es bestehen aber auch Chancen, etwa durch zusätzliche Synergien.

Personal

  • Verstärkter internationaler Wettbewerb um hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte
  • Gefahr des Know-how-Verlusts durch zahlreiche altersbedingte Abgänge
  • Effektivere Personalrekrutierung und -bindung mit Hilfe verschiedener Maßnahmen

Rekrutierung und langfristige Bindung qualifizierter Mitarbeiter: Der internationale Wettbewerb um hochqualifizierte Fach- und Führungskräfte hat in den vergangenen Jahren zugenommen und wird sich voraussichtlich durch die demografische Entwicklung mittel- bis langfristig noch verstärken. Damit erhöht sich das Risiko, dass offene Stellen nicht oder nur verzögert mit geeigneten Bewerbern besetzt werden können.

Der Know-how-Verlust durch überproportional hohe altersbedingte Abgänge in Nordamerika und Europa sowie die Herausforderung durch den zusätzlichen Rekrutierungsbedarf in Asien, der sich durch das angestrebte Wachstum ergibt, können mittel- bis langfristig zu Geschäftsbeeinträchtigungen führen. Diesen Risiken begegnen wir mit den globalen Programmen „Generations@Work“, „Diversity + Inclusion“, dem Projekt „Employee Development“, der Weiterentwicklung unserer Arbeitgebermarke („Employer Branding“) und verstärkter Personalentwicklung sowie ergänzenden regionalen Initiativen. Mit diesen Maßnahmen erhöhen wir die Attraktivität der BASF als Arbeitgeber und binden Mitarbeiter langfristig an uns. Informationen mit Relevanz im Sinne des Global Compact

Nachhaltigkeit: Die BASF bekennt sich dazu, den Schutz der Umwelt und gesellschaftlich verantwortungsvolles Handeln in ihre Geschäftstätigkeit zu integrieren. Verstöße gegen unsere Selbstverpflichtungen oder gegen Gesetze stellen ein Reputationsrisiko dar und können zu operativen und strategischen Risiken führen. Vor Erwerb eines Unternehmens achten wir auf dessen nachhaltige Ausrichtung und berücksichtigen diese im Übernahmeprozess. Auf Grundlage der Ergebnisse unseres globalen Themenmanagements für Nachhaltigkeit stoßen wir Veränderungsprozesse im Unternehmen an, um auf etwaige Risiken vorbereitet zu sein und Chancen nutzen zu können. Um das Einhalten von Gesetzen und unserer Selbstverpflichtungen in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Gesundheit sowie Arbeits- und Sozialstandards überprüfen zu können, haben wir globale Monitoringsysteme etabliert, die auch unsere Lieferkette einbeziehen. Wir stehen im kontinuierlichen Austausch mit den relevanten Stakeholdern, um die gesellschaftliche Akzeptanz unserer Geschäftsaktivitäten sicherzustellen. Ein Beispiel hierfür ist das Dialogforum Nano der BASF. Letztlich verbleiben jedoch bei allen unternehmerischen Aktivitäten Restrisiken, die auch durch ein umfassendes Risikomanagement nicht auszuschließen sind. Informationen mit Relevanz im Sinne des Global Compact