Brief des Vorstands­vorsitzenden

Sehr geehrte Aktionärin, sehr geehrter Aktionär,

2014 war für Sie und BASF ein wechselhaftes, wenn nicht gar zwiespältiges Jahr. Wir sind vorsichtig optimistisch gestartet, auch weil sich die Nachfrage in Europa leicht belebte. Doch ab dem Sommer war klar: Europa würde wiederum kaum wachsen. Im ersten Halbjahr machte uns zudem der starke Euro zu schaffen, im August setzte er dann zur Talfahrt an. Hatten wir in den ersten sechs Monaten noch mit zum Teil steigenden Rohstoffkosten zu kämpfen – eine Folge des festen Ölpreises – drehte sich auch diese Entwicklung. Niemand hat den Absturz des Ölpreises von über 110 US$ auf zwischenzeitlich unter 50 US$ je Barrel (Brent) vor einem Jahr vorhersagen können. Und auch die politischen Unsicherheiten in einigen Teilen der Welt haben weiter zugenommen.

Unser Aktienkurs hat dieses Auf und Ab nachgezeichnet. Konnten Sie, unsere Aktionäre, sich im Juni noch über einen neuen Höchstkurs freuen, so war die Entwicklung unseres Papiers bis zum Jahresende unbefriedigend – auch im Vergleich zum Dax 30 und zur weltweiten Chemiebranche. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass BASF unverändert im Zehn-Jahres-Vergleich zur Spitzengruppe gehört.

„Wir sind gewachsen – trotz der enttäuschenden Entwicklung in Europa.“

Gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass wir dennoch unser Ziel für 2014 erreicht haben. Wir wollten das Ergebnis erneut steigern. Dies ist uns trotz der enttäuschenden Entwicklung in Europa gelungen: Wir sind gewachsen. Wir haben unser Chemiegeschäft weiter gestärkt und die Margen wiederum verbessert. Unsere Kosten haben wir im Griff.

„Wir schlagen Ihnen vor, die Dividende wiederum zu erhöhen von 2,70 € auf 2,80 € je Aktie.“

Wir schlagen Ihnen vor, die Dividende wiederum zu erhöhen von 2,70 € auf 2,80 € je Aktie. All dies ist nur durch die außerordentliche Leistung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, bei denen ich mich im Namen des Vorstandsteams ganz herzlich bedanke.

„We create chemistry“-Strategie

In einem so wechselvollen Jahr wie 2014 liegt es nahe zu fragen, ob denn die grundsätzliche Ausrichtung der BASF, unsere „We create chemistry“-Strategie, unverändert gelten kann. Die Antwort ist ein klares Ja: Die Chemie wird weltweit weiter wachsen – wenn auch etwas geringer als noch vor einigen Jahren angenommen. Mit dem größten Investitionsprogramm seit Jahrzehnten wollen wir daran teilhaben. Wir investieren in den Schwellenländern. Wir investieren, um Kostenvorteile von Schiefergas in den USA zu nutzen, und wir investieren in die Wettbewerbsfähigkeit unserer Standorte in Europa. Im Jahr 2015 wird eine ganze Reihe von Anlagen in Betrieb gehen – Anlagen, die die nächsten zehn, 20 oder 30 Jahre produzieren werden.

Bei Oil & Gas haben wir die regionale Diversifizierung vorangetrieben. Wir haben weitere Reserven und Entwicklungsfelder in Norwegen erworben und sind hier ein gutes Stück vorangekommen. Nicht gelungen ist dagegen der Tausch unseres Gashandelsgeschäfts gegen Öl- und Gasreserven der Gazprom in Russland. Unsere erfolgreichen Joint Ventures in Westeuropa und in Russland werden wir fortsetzen – auch wenn das politische Umfeld derzeit schwierig ist.

Wir haben den Umbau unseres Portfolios weiter vorangetrieben. Dazu gehört beispielsweise die Trennung von den Textilchemikalien und den Styrolkunststoffen, aber auch die Gründung eines Joint Ventures mit Toda Kogyo, einem der führenden japanischen Unternehmen für Batteriechemie. Auf diesem Gebiet forschen und entwickeln wir intensiv.

„Innovation ist und bleibt die Kraftquelle der Chemie.“

Innovation ist und bleibt die Kraftquelle der Chemie. Wir haben daher erneut mehr für Forschung und Entwicklung aufgewendet und sind globaler geworden. In Mumbai bauen wir ein Forschungszentrum auf; dort wird es vor allem um Pflanzenschutz gehen. Der Innovation Campus in Schanghai – er ist bereits heute unser größter Forschungsstandort in Asien – wird erweitert. Im japanischen Amagasaki entwickeln unsere Mitarbeiter in einem neuen Labor Elektrolyte und Elektrodenmaterialien für leistungsfähigere Batterien. In diesem Bericht finden Sie weitere Beispiele für Innovationen der BASF, unter anderem deutlich verbesserte Superabsorber für Babywindeln.

Die neuen Windeln leisten auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Diese ist unverändert Maßstab für unser Handeln – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich. Dazu gehört auch, dass wir unsere Produkte in über 60.000 Anwendungen umfassend bewertet haben. Die Ergebnisse helfen, unser Portfolio zu steuern. Gemeinsam mit unseren Kunden können wir gezielt noch nachhaltigere Produkte entwickeln und darüber hinaus Alternativen für Produkte finden, die unseren Ansprüchen nicht mehr genügen.

„Wir nutzen unser Jubiläum, um mit Erfindertum und Innovationen Antworten auf drängende Fragen zu finden – gemeinsam mit Kunden und Partnern.“

Innovation und Nachhaltigkeit stehen auch im Zentrum unseres Jubiläums. Wir werden den 150. Geburtstag der BASF gebührend feiern. Vor allem jedoch wollen wir das Jahr 2015 nutzen, um mit Erfindertum und Innovationen Antworten auf drängende Fragen zu finden – gemeinsam mit Kunden und Partnern. Das Schöne ist, jeder kann mitmachen – auch Sie – unter creator-space.basf.com.

Ausblick auf das Jahr 2015

Der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015 ist diesmal mit besonderen Unsicherheiten behaftet. Wir erwarten zwar, dass die Weltwirtschaft mit 2,8 % etwas stärker als 2014 wachsen wird; auch die Chemieproduktion soll um gut 4 % zunehmen. Dafür erschweren die volatilen Rohstoffpreise und Wechselkurse aber eine verlässliche Vorhersage.

Wir gehen derzeit von einem durchschnittlichen Ölpreis von 60 bis 70 US$ je Barrel (Brent) und einem Wechselkurs von 1,20 US$ je € aus. Somit würde das Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Sondereinflüssen von Oil & Gas deutlich unter Vorjahr liegen. Dagegen wollen wir das Ergebnis der Chemieaktivitäten wiederum verbessern. Letztlich wird auch der Ölpreis darüber entscheiden, ob wir das Gesamtergebnis steigern werden. Bei der angegebenen Bandbreite des Ölpreises ist ein Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Sondereinflüssen auf Vorjahreshöhe erreichbar.

Wir werden 2015 deutlich weniger investieren: 2014 konnten wir einige Großprojekte erfolgreich abschließen, 2015 folgen weitere Inbetriebnahmen. Bei Oil & Gas werden die Investitionen gegenüber dem Vorjahr zurückgehen. In Summe planen wir Ausgaben von 4 Milliarden €, nach 5,1 Milliarden € im Jahr 2014. Unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden wir wiederum steigern, vor allem um die weitere Globalisierung zu fördern.

Eines kann ich Ihnen versichern: Wir werden uns weiterhin auf das konzentrieren, was wir gut können – forschen, entwickeln und unseren Kunden attraktive Lösungen anbieten. Damit sind wir seit 150 Jahren erfolgreich. Und das ganze BASF-Team steht dafür, dass dies auch zukünftig so sein wird.

Ihr
Kurt Bock