Kurzfristig wirksame Chancen und Risiken

Entwicklung der Nachfrage

  • Entwicklung unserer Absatzmärkte zählt zu den größten Chancen und Risiken
  • Negative Einflüsse durch nachlassendes Wirtschaftswachstum in China und Eskalation geopolitischer Konflikte möglich

Zu den größten Chancen und Risiken gehört die Entwicklung unserer Absatzmärkte. Unsere Annahmen bezüglich der kurzfristigen Wachstumsraten der Weltwirtschaft, der Regionen und wichtiger Abnehmerindustrien, wie etwa der Chemie-, Automobil- und Baubranche, legen wir detailliert im Abschnitt Wirtschaftliche Rahmenbedingungen dar. Auf der Grundlage dieses Basisszenarios planen wir, im Chemiegeschäft in allen Segmenten ein Mengenwachstum zu erzielen.

Über das Basisszenario hinaus betrachten wir auch Risikoszenarien. Ein bedeutendes makroökonomisches Risiko sehen wir in einer stärkeren Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums, die von der Abkühlung des dortigen Immobilienmarktes ausgehen könnte. Dies träfe neben der Bauindustrie auch ihre Zulieferer wie die Zement-, Stahl- und Chemieindustrie sowie darüber hinaus die immobilienbezogenen Dienstleistungen und den Finanzsektor. Solche dämpfenden Effekte würden nicht nur die chinesische Binnenkonjunktur, sondern auch die Importe der Chemieindustrie und ihrer Kundenindustrien beeinträchtigen. Die zunehmende konjunkturelle Unsicherheit hätte zudem ein verringertes Konsumenten- und Investorenvertrauen weltweit zur Folge. Risiken für die Weltwirtschaft sehen wir außerdem in einer weiteren Eskalation geopolitischer Konflikte, insbesondere des Konflikts in der Ukraine.

In den Risikoszenarien ist nachfragebedingt ein Rückgang des Ölpreises im Vergleich zum Basisszenario zu erwarten. Der Euro würde gegenüber dem US-Dollar im Vergleich zum Basisszenario leicht abwerten, da die wirtschaftliche Erholung im Euroraum fragil ist und wesentlich von der Entwicklung der Exportnachfrage abhängt. Sie reagiert daher besonders sensitiv auf Änderungen im weltwirtschaftlichen Umfeld.

Aus Witterungseinflüssen können sich positive wie auch negative Effekte auf unser Pflanzenschutzgeschäft ergeben.

Margenvolatilität

  • In einigen Wertschöpfungsketten Überangebot und in der Folge sinkende Margen möglich
  • Chancen und Risiken durch sinkende Rohstoffkosten

Für 2015 gehen wir weitgehend von stabilen Margen aus. Bei einigen Produkten und Wertschöpfungsketten könnten zum Beispiel neue Kapazitäten den Margendruck erhöhen. Dies würde sich negativ auf unser Ergebnis auswirken.

Der Ölpreis der Sorte Brent betrug im Jahresdurchschnitt 2014 rund 99 US$/Barrel und war damit niedriger als im Vorjahr. Für 2015 erwarten wir einen durchschnittlichen Ölpreis zwischen 60 und 70 US$/Barrel. Wir rechnen daher auch bei den für uns wesentlichen Rohstoffen und petrochemischen Grundprodukten mit einem niedrigen Preisniveau. Dies könnte unsere Margen positiv beeinflussen. Es ergeben sich daraus jedoch auch Risiken für unser Öl-und-Gas-Geschäft, dessen Ergebnis mit einem Rückgang des Jahresdurchschnittsölpreises (Brent) um 1 US$ pro Barrel um circa 20 Millionen € sinkt.

Regulierung und politische Risiken

  • Risiken unter anderem durch die Regulierung der Verwendung von Chemikalien
  • Verschärfung geopolitischer Spannungen
  • Chancen für unser Katalysatorgeschäft durch Verschärfung der Emissionsrichtlinien für Automobile
  • Energiepolitik birgt Risiken und Chancen

Durch die 2007 in Kraft getretene europäische Chemikalienverordnung REACH besteht das Risiko, dass unsere europäischen Kunden und wir durch die kostenintensiven Test- und Registrierungsverfahren gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern benachteiligt werden.

Risiken gehen für uns ferner von einer weiteren Regulierung beispielsweise der Verwendung von Chemikalien, der Verschärfung geopolitischer Spannungen, einer Destabilisierung politischer Systeme und der Errichtung von Handelsbarrieren, wie zum Beispiel Sanktionen in der Ukraine-Krise oder OPEC-Quoten für die Ölförderung, aus. Weiterhin beobachten wir aufmerksam die politische Lage in Argentinien, wo sich auf Grund von Devisenbeschränkungen das Geschäftsumfeld zunehmend schwierig gestaltet.

Anfang August 2014 trat in Deutschland die neue Gesetzgebung zur Förderung erneuerbarer Energien („EEG-Umlage“) in Kraft. Demnach werden Bestandsanlagen zur Eigenstromerzeugung auch künftig nicht mit einer EEG-Umlage belastet. Bei Neuanlagen sind 40 % der EEG-Umlage zu zahlen. Für den Strom, den BASF in eigenen Kraftwerken produziert, ergibt sich somit derzeit keine zusätzliche finanzielle Belastung. Bis spätestens 2017 soll jedoch überprüft werden, ob die unterschiedliche Behandlung von Bestands- und Neuanlagen dem EU-Recht entspricht. Es besteht die Möglichkeit, dass danach die Eigenstromerzeugung in Bestandsanlagen zu Teilen in das EEG-Umlagesystem einbezogen wird. BASF müsste somit eine anteilige EEG-Umlage für diesen Strom entrichten, was unsere Wettbewerbsfähigkeit an deutschen Produktionsstandorten erheblich beeinträchtigen würde.

In der weltweiten Förderung des Ausbaus der regenerativen Energien sowie den Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz sehen wir die Chance auf eine höhere Nachfrage nach unseren Produkten. Beispielsweise bieten wir neben Dämmstoffen für Gebäude auch vielfältige Lösungen für Windkraftanlagen an. Von Verschärfungen der Emissionsrichtlinien für Automobile profitiert unser Katalysatorgeschäft.

Lieferengpässe

Ungeplante Anlagenabstellungen versuchen wir durch die Einhaltung hoher technischer Standards und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Anlagen zu vermeiden. Die Auswirkungen einer ungeplanten Abstellung werden durch die Diversifikation im Rahmen unseres weltweiten Produktionsverbunds reduziert.

Beschaffungsrisiken mindern wir durch ein breites Portfolio, weltweite Einkaufsaktivitäten sowie durch den Kauf zusätzlicher Rohstoffe auf den Spotmärkten. Wir vermeiden es, soweit möglich, Rohstoffe von einem einzigen Lieferanten zu beziehen. Sofern dies nicht möglich ist, versuchen wir, Wettbewerb zu schaffen oder gehen diese Beziehung bewusst ein und bewerten die Auswirkung möglicher Ausfälle. Wir beobachten kontinuierlich die Bonität wichtiger Geschäftspartner – Kunden wie Lieferanten.

Informationstechnische Risiken

  • Weltweit gültige Verfahren und Systeme für IT-Sicherheit
  • Regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter

BASF ist auf eine Vielzahl von IT-Systemen angewiesen. Deren Nichtverfügbarkeit, die Verletzung der Vertraulichkeit oder die Manipulation von Daten bei kritischen IT-Systemen und -Anwendungen können eine direkte Auswirkung auf die Produktion oder die Abwicklung in der Lieferkette haben. Sollten Daten verlorengehen oder manipuliert werden, kann dies beispielsweise die Anlagensicherheit und die Richtigkeit unserer Finanzberichterstattung beeinträchtigen. Unbefugter Zugriff auf sensible Daten, wie zum Beispiel Personalstammdaten, wettbewerbsrechtlich relevante Informationen oder Forschungsergebnisse, kann haftungsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen oder unsere Wettbewerbsposition gefährden. Hinzu kommt der damit verbundene Reputationsverlust.

Um derartige Risiken zu minimieren, verfügt BASF über weltweit gültige Verfahren und Systeme zur Gewährleistung der IT-Sicherheit. Dazu gehören stabile und redundant ausgelegte IT-Systeme, Back-up-Verfahren, Viren- und Zugangsschutz, Verschlüsselungssysteme sowie integrierte, gruppenweit standardisierte IT-Infrastrukturen und Anwendungen. Die im Einsatz befindlichen Systeme zur Informationssicherheit werden permanent geprüft und fortlaufend aktualisiert. Zudem werden unsere Mitarbeiter regelmäßig im Informations- und Datenschutz geschult. Das IT-Risikomanagement erfolgt über einheitliche Regeln bei Organisation und Anwendung sowie ein darauf aufbauendes internes Kontrollsystem.

Rechtsstreitigkeiten und -verfahren

  • Risikobegrenzung durch internes Kontrollsystem
  • Schulungen im Rahmen des konzernweiten Compliance-Programms

Zur Beurteilung von Risiken aus laufenden Rechtsstreitigkeiten und -verfahren sowie eines etwaigen Rückstellungsbedarfs erstellen wir eigene Analysen und Bewertungen der Sachverhalte und geltend gemachter Ansprüche und ziehen im Einzelfall die Ergebnisse vergleichbarer Verfahren und unabhängige Rechtsgutachten heran. Außerdem treffen wir Annahmen über Eintrittswahrscheinlichkeiten und Bandbreiten möglicher Inanspruchnahmen. Die tatsächlichen Belastungen können von diesen Einschätzungen abweichen.

Risiken aus möglichen Rechts- oder Gesetzesverletzungen begrenzen wir durch unser internes Kontrollsystem. Beispielsweise versuchen wir durch umfangreiche Abgrenzungsrecherchen, Patent- und Lizenzkonflikte weitgehend zu vermeiden. Im Rahmen unseres konzernweiten Compliance-Programms werden unsere Mitarbeiter regelmäßig geschult.