Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Jahr 2015

Die Weltwirtschaft wird 2015 mit 2,8 % voraussichtlich etwas stärker wachsen als im Jahr 2014 (+2,5 %). Die Wachstumsimpulse werden vor allem aus den USA kommen. Wir erwarten, dass sich das Wachstum in Westeuropa nicht weiter beschleunigen und in China weiter leicht abschwächen wird. Vor diesem Hintergrund wird die globale Chemieproduktion mit voraussichtlich 4,2 % nur geringfügig schneller wachsen als 2014 (+4,0 %). Die Risiken für die Weltwirtschaft bleiben hoch. Für 2015 rechnen wir mit einem durchschnittlichen Ölpreis der Referenzrohölsorte Brent zwischen 60 und 70 US$/Barrel und einem Wechselkurs von 1,20 US$ pro Euro.

Entwicklung der Weltwirtschaft im Jahr 2015

  • Stärkeres Wachstum in den USA erwartet
  • Voraussichtlich keine deutliche Belebung der Wirtschaft in der EU, Japan und Südamerika

Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft in der Europäischen Union im Jahr 2015 nicht stärker wachsen wird als 2014. Niedrigere Ölpreise, die Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar und die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank werden das Wachstum stützen. In Frankreich und Italien wird die Wirtschaft allerdings kaum wachsen; in Deutschland wird das Wachstum wahrscheinlich auf dem niedrigen Niveau des Jahres 2014 bleiben. Wir nehmen an, dass Spanien seine langsame wirtschaftliche Erholung fortsetzen kann. Das Vereinigte Königreich wird voraussichtlich nach wie vor robust, aber schwächer als im Vorjahr wachsen. Ein weiterhin solides Wachstum erwarten wir für die osteuropäischen EU-Länder. Wir gehen bei unserer Prognose davon aus, dass der Konflikt in der Ukraine nicht weiter eskaliert und keine wesentlichen neuen Wirtschaftssanktionen im Handel mit Russland verhängt werden.

Für die Wirtschaft in den USA erwarten wir ein stärkeres Wachstum als 2014. Die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich die positive Entwicklung der letzten drei Quartale 2014 fortsetzen wird. Die anhaltende Erholung am Arbeitsmarkt und die nach wie vor niedrigen Zinsen werden den privaten Konsum weiter stützen. Unsere Prognose basiert auf den Annahmen, dass die amerikanische Notenbank die Zinsen nur sehr behutsam anheben wird und dass die veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse nicht zu einer erneuten fiskalpolitischen Blockade führen werden.

Ausblick zum Bruttoinlandsprodukt 2015 (Reale Veränderung gegenüber Vorjahr)
Ausblick zum Bruttoinlandsprodukt 2015 (Reale Veränderung gegenüber Vorjahr) (Balkendiagramm)
Trends Bruttoinlandsprodukt 2015–2017 (Reale jährliche Veränderung im Durchschnitt)
Trends Bruttoinlandsprodukt 2015–2017 (Reale jährliche Veränderung im Durchschnitt) (Balkendiagramm)

In den asiatischen Schwellenländern rechnen wir mit einem Wachstum auf dem hohen Niveau des Jahres 2014. Wir gehen von einer Abschwächung des Wachstums in China aus. Die Regierung wird den dämpfenden Effekten aus der Abkühlung am Immobilienmarkt voraussichtlich keine starken Stimulierungsmaßnahmen entgegensetzen. Für Indien, Indonesien und Thailand erwarten wir dagegen ein höheres Wachstum.

Wir nehmen an, dass sich das Wachstum in Japan 2015 nicht wesentlich beschleunigen wird. Zwar beabsichtigt die Regierung die nächste, für Oktober 2015 vorgesehene Erhöhung der Konsumsteuer zu verschieben; strukturelle Reformen, die die Wirtschaftskraft des Landes erhöhen können, gehen aber nur zögerlich voran und werden erst langfristig Wirkung entfalten.

Für Südamerika prognostizieren wir keine durchgreifende Belebung. Die Wirtschaft in Brasilien wird nicht mehr durch die politische Unsicherheit über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen belastet; ein starker Wachstumsimpuls ist angesichts der hohen Inflation, dämpfender fiskalischer Impulse und fehlender Investitionen in die Infrastruktur aber nicht zu erwarten. In Argentinien würde eine Einigung im Streit mit den internationalen Gläubigern zwar mittelfristig den Kapitalmarktzugang erleichtern, dennoch steht Argentinien voraussichtlich ein weiteres Rezessionsjahr bevor.