Operativ wirksame Chancen und Risiken
Die Inhalte dieses Abschnitts sind nicht Bestandteil der gesetzlichen Jahresabschlussprüfung, sondern wurden einer gesonderten betriebswirtschaftlichen Prüfung mit begrenzter Sicherheit durch unseren Abschlussprüfer unterzogen.
Die Inhalte dieses Abschnitts sind ungeprüfte freiwillige Inhalte, die vom Abschlussprüfer kritisch gelesen wurden.
Marktwachstum
Chancen und Risiken ergeben sich aus der Entwicklung unserer Absatzmärkte. Unsere Annahmen bezüglich der kurzfristigen Wachstumsraten der Weltwirtschaft, der Regionen und wichtiger Abnehmerindustrien, wie etwa der Chemie-, Automobil- und Baubranche, legen wir detailliert im Abschnitt „Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2026“ dar.
Darüber hinaus betrachten wir Chancen und Risiken aufgrund von Entwicklungen, die von den Annahmen abweichen. Makroökonomische Chancen könnten sich infolge einer Beruhigung geopolitischer Konflikte und damit verbunden einer Verbreiterung des Angebots von Energie, Industrierohstoffen sowie anderen Vorleistungsgütern ergeben.
Steigende Energiepreise, zum Beispiel infolge des Ukraine-Kriegs und der Lage im Nahen Osten, und daraus resultierende höhere Inflationsraten der Produzenten- und Konsumentenpreise stellen ein konjunkturelles Risiko dar. Zusätzliche makroökonomische Risiken ergeben sich aus einer Eskalation geopolitischer Konflikte und einer weiteren Verschärfung globaler Handelskonflikte, insbesondere zwischen den USA und ihren Handelspartnern. Diese Risiken beobachten wir stetig und mitigieren sie so weit wie möglich durch unser diversifiziertes Kunden- und Produktportfolio und unser Prinzip, nahe am Kunden zu produzieren sowie Rohstoffe und Vorleistungen überwiegend regional zu beschaffen.
Aus Witterungseinflüssen können sich positive wie auch negative Effekte auf unser Geschäft ergeben, insbesondere im Segment Agricultural Solutions.
Angesichts der erwarteten verzögerten Markterholung finden die identifizierten Marktwachstumschancen verstärkt Berücksichtigung.
Margen
Die größten Chancen und Risiken für die BASF-Gruppe resultieren im Wesentlichen aus der Ausweitung oder einem Rückgang der Margen in allen Segmenten, insbesondere im Segment Chemicals. Der anhaltende Margendruck bei einigen Produkten und Wertschöpfungsketten kann zu weiter sinkenden Margen führen. Zusätzliche Rohstoffknappheiten können die Margen negativ wie auch positiv beeinflussen. Dies würde sich entsprechend auf unser EBITDA auswirken. Margenrisiken begegnen wir mit permanentem Kosten- und Preismanagement sowie Prozessoptimierungen.
Der Rohölpreis der Sorte Brent betrug 69 US$/Barrel im Jahresdurchschnitt 2025, verglichen mit 81 US$/Barrel im Vorjahr. Für 2026 erwarten wir einen durchschnittlichen Ölpreis von 65 US$/Barrel.
Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir geringere Margenrisiken.
Wettbewerb
Unsere Produkte und Lösungen entwickeln wir fortlaufend weiter, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Markteintritt neuer Wettbewerber sowie erhöhter Preisdruck können zu niedrigeren Margen und Mengen führen, insbesondere in den Segmenten Agricultural Solutions und Industrial Solutions. Diesen Risiken begegnen wir durch unser Margenmanagement sowie weitere Maßnahmen, beispielsweise durch die gezielte Förderung von Innovationen, etwa im Bereich der Nachhaltigkeit.
Chancen können sich in dem aktuell schwierigen Marktumfeld durch Lieferprobleme und den teilweisen Rückzug von Wettbewerbern ergeben, die wir zu unseren Gunsten nutzen können.
Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir höhere Wettbewerbschancen.
Regulierung/Politik
Risiken können für uns entstehen durch eine Verschärfung geopolitischer Spannungen, neue Handelsbarrieren, eine fehlende globale Koordinierung bei der Verschärfung von Emissionsgrenzwerten für Produktionsanlagen sowie durch eine verschärfte Energie- und Chemikaliengesetzgebung und eine fehlende gesellschaftliche Akzeptanz für neue Technologien, insbesondere in der EU. Risiken können sich zudem ergeben aus regulatorisch begründeten Verzögerungen beim Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur für Strom aus erneuerbaren Quellen, bei der notwendigen CO2-Infrastruktur oder durch eine verzögerte Zulassung von Produkten.
Aus regulatorischen Maßnahmen und gesellschaftlichen Erwartungen können sich aber auch Chancen ergeben. So sehen wir in den weltweiten Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Reduktion von Treibhausgasemissionen die strategische Chance auf eine höhere Nachfrage nach Produkten, wie etwa unseren Dämmstoffen für Gebäude, Katalysatoren, Batteriematerialien für die Elektromobilität oder unseren Lösungen für Windkraftanlagen (mehr dazu ab Allgemeine Angaben).
Einkauf und Lieferkette
Operative Risiken im Einkauf sind ein zentrales Thema für BASF, da sie Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens haben können. Zu den operativen Risiken im Einkauf zählen unter anderem Unterbrechungen und Verzögerungen bei der Lieferung von Rohstoffen durch zum Beispiel Lieferanteninsolvenzen, Qualitätsprobleme, Extremwetter oder geopolitische Ereignisse. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, setzt BASF auf eine umfassende Risikobewertung und -kontrolle entlang der gesamten Lieferkette, globale Diversifizierung und eine enge Zusammenarbeit mit den Lieferanten (mehr dazu ab S2 Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette).
Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir niedrigere Risiken in der Lieferkette.
Investitionen/Produktion
Ungeplante Anlagenabstellungen versuchen wir durch die Einhaltung hoher technischer Standards und eine kontinuierliche Verbesserung unserer Anlagen zu vermeiden. Die Auswirkungen einer ungeplanten Abstellung auf die Versorgung mit Zwischen- und Endprodukten reduzieren wir durch die Diversifikation im Rahmen unseres weltweiten Produktionsverbunds.
Im Falle einer Produktionsunterbrechung, zum Beispiel infolge eines Unfallereignisses, greifen abhängig vom Umfang der Auswirkungen unsere globalen, regionalen oder lokalen Notfallkonzepte und Krisenmanagementstrukturen. In allen Ländern gibt es Krisenmanagementteams, die nicht nur die erforderlichen Notfallmaßnahmen koordinieren, sondern auch die Sofortmaßnahmen zur Schadensbegrenzung und zur schnellstmöglichen Wiederherstellung des normalen Betriebszustands einleiten.
Das Krisenmanagement umfasst auch den Umgang mit extremen Wetterlagen wie etwa tropischen Wirbelstürmen (beispielsweise an den Standorten in Freeport/Texas und Geismar/Louisiana) oder stark erhöhten Wassertemperaturen in Flüssen infolge von langen Hitzewellen, die die verfügbare Kühlkapazität einschränken. Bei einem sich verändernden Risiko im Zuge des Klimawandels werden entsprechende Anpassungen an den Standorten vorgenommen. Beispielsweise haben wir an den Verbundstandorten Ludwigshafen sowie Geismar in den vergangenen Jahren aufgrund einer Zunahme von Hitzewellen mehrere Maßnahmen zur Erhöhung der Kühlkapazität umgesetzt, wie etwa Ausbau und Optimierung der zentralen Rückkühlanlagen und Optimierung der Kühlwasserströme. Diese Optimierungen dienen dazu, Produktionsunterbrechungen aufgrund von extremen Hitzewellen zu verhindern.
Kurzfristige Risiken aus Investitionen können zum Beispiel aus technischen Störungen sowie Kosten- und Terminüberschreitungen entstehen. Diesen begegnen wir durch ein konsequentes Projektmanagement und -controlling.
Angesichts der aktuellen Minderauslastung können sich zusätzliche Chancen ergeben, etwa durch mehr Flexibilität für Wartungen und geringere Auswirkungen möglicher Produktionsstörungen.
Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir höhere Chancen aus Investitionen/Produktion.
Personal
Die Entwicklung des Personalaufwands hängt aufgrund globaler BASF-Vergütungsprinzipien auch von der Höhe der variablen Vergütung ab, die unter anderem an den Unternehmenserfolg geknüpft ist. Die Korrelation von variabler Vergütung und Unternehmenserfolg wirkt dabei risikominimierend. Ein weiterer Einflussfaktor ist die Entwicklung der Zinssätze für die Abzinsung der Pensionsverpflichtungen. Darüber hinaus können veränderte rechtliche Rahmenbedingungen auf Länderebene die Entwicklung des Personalaufwands der BASF-Gruppe beeinflussen. Für Länder, in denen BASF tätig ist, beobachten wir daher kontinuierlich die relevanten Entwicklungen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen (mehr dazu unter Operativ wirksame Chancen und Risiken und ab S1 Arbeitskräfte des Unternehmens).
Informationstechnologie
BASF nutzt eine Vielzahl moderner IT-Systeme. Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Big Data und das Internet of Things (IoT) unterstützen uns dabei, neue Geschäftsmodelle, Unternehmenskonzepte und -strategien zu entwickeln und flexibel auf verändertes Kundenverhalten zu reagieren. Das globale Cyber-Security-Team schützt diese Systeme sowie die darin verarbeiteten Daten und Geschäftsprozesse.
In einer vernetzten und dynamischen Welt steigen die Anforderungen an die IT-Sicherheit kontinuierlich. Angreifer agieren deutlich organisierter, nutzen ausgefeiltere Techniken und verfügen über mehr Ressourcen.
Eine Cyberattacke kann die Anlagenverfügbarkeit, Lieferqualität oder die Richtigkeit unserer Finanzberichterstattung beeinträchtigen. Der unbefugte Zugriff auf sensible Daten, wie zum Beispiel Personal- oder Kundenstammdaten, wettbewerbsrechtlich relevante Informationen oder Forschungsergebnisse, kann zu Haftungsansprüchen gegenüber BASF führen und unsere Wettbewerbsposition gefährden. Zusätzlich drohen finanzielle Verluste sowie Reputations- und Vertrauensverlust bei Kunden und Partnern hinsichtlich der Sicherheit unserer Produkte und Dienstleistungen.
Um derartige Risiken zu minimieren, setzt BASF weltweit einheitliche Verfahren und Systeme ein, um die IT-Verfügbarkeit und -Sicherheit zu gewährleisten. Diese basieren auf dem Standard ISO 27001. Dazu gehören redundant ausgelegte IT-Systeme, Backup-Verfahren, Viren- und Zugangsschutz, Verschlüsselungstechnologien sowie standardisierte IT-Infrastrukturen und -Prozesse. Diese Systeme werden kontinuierlich geprüft, aktualisiert und bei Bedarf angepasst. Darüber hinaus verfügt BASF über eine dedizierte Einheit zur Cyberabwehr mit entsprechender Fachexpertise. Unsere Mitarbeitenden werden regelmäßig zu Informations- und Datenschutzthemen geschult. Das Cybersicherheits-Risikomanagement stützt sich auf klar definierte Organisationsregeln und ein internes Kontrollsystem. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wird regelmäßig über Cyberrisiken sowie den Umsetzungsstand strategischer Cybersicherheitsmaßnahmen berichtet.
Unsere Schutzkonzepte umfassen die Erkennung von Angriffen, die Reaktion darauf und ihre Abwehr sowie die Minimierung von Auswirkungen. Außerdem pflegen wir starke Partnerschaften mit Sicherheitsbehörden und -verbänden im Bereich Cybersicherheit, zum Beispiel mit der Deutschen Cyber-Sicherheitsorganisation (DCSO) und der Cyber-Security-Sharing-and-Analytics (CSSA)-Plattform in Berlin/Deutschland. Darüber hinaus betreibt BASF ein eigenes Informationssicherheits-Management-System, das nach ISO/IEC 27001:2017 zertifiziert ist.
Für das Geschäftsjahr 2026 wurden Risiken im Bereich Cybersicherheit identifiziert, aber nicht quantifiziert. Quantifizierte Chancen und Risiken ergaben sich im Zusammenhang mit den ERP‑Transformationsprojekten der BASF‑Gruppe.
Recht
Laufende und drohende Rechtsstreitigkeiten und -verfahren überwachen wir kontinuierlich. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wird hierüber regelmäßig Bericht erstattet. Zur Beurteilung von Risiken aus laufenden Rechtsstreitigkeiten und -verfahren sowie eines etwaigen Rückstellungsbedarfs erstellen wir eigene Analysen und Bewertungen der Sachverhalte und geltend gemachter Ansprüche und ziehen im Einzelfall die Ergebnisse vergleichbarer Verfahren sowie bei Bedarf unabhängige Rechtsgutachten heran. Die Risikobewertung basiert insbesondere auf der Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeiten und Bandbreiten möglicher Inanspruchnahmen. Diese Einschätzungen werden in enger Abstimmung zwischen den betroffenen operativen Einheiten und Serviceeinheiten unter Einbeziehung von „Corporate Legal“ und „Corporate Finance“ getroffen. Bei entsprechender Eintrittswahrscheinlichkeit bilden wir für das jeweilige Verfahren eine Rückstellung. Ist eine Rückstellungsbildung nicht erforderlich, prüfen wir im Rahmen des allgemeinen Risikomanagements weitergehend, ob aus diesen Rechtsstreitigkeiten gleichwohl ein Risiko für das EBITDA der BASF-Gruppe besteht (mehr dazu unter Risiken aus Rechtsstreitigkeiten).
Risiken aus möglichen Rechts- oder Gesetzesverletzungen begrenzen wir durch unser internes Kontrollsystem. Beispielsweise versuchen wir, durch umfangreiche Abgrenzungsrecherchen Patent- und Lizenzkonflikte weitgehend zu vermeiden.
Steuern und Zölle
Die berücksichtigten Chancen und Risiken betreffen nur Steuern, Zölle und weitere Abgaben, die sich kurzfristig auf das EBITDA der BASF-Gruppe auswirken. Diese entstehen, wenn BASF eine abweichende Position zu der Auffassung einer zuständigen Verwaltungsbehörde eingenommen hat. Soweit bereits eine Zahlung erfolgte und die Möglichkeit einer Rückforderung besteht, zeigen wir dies als Chance. Wenn hingegen noch eine potenzielle Zahlung entsprechend der Verwaltungsauffassung aussteht, entspricht dies einem Risiko. Die Chancen und Risiken bewerten wir insbesondere hinsichtlich deren Eintrittswahrscheinlichkeit, und soweit geboten, bilden wir für den jeweiligen Risikofall eine Rückstellung. Ist eine Rückstellungsbildung nicht erforderlich, berücksichtigen wir dies im Rahmen der Ermittlung der EBITDA-relevanten Risiken der BASF-Gruppe.
Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir höhere zollbezogene Risiken.
Wechselkursvolatilität
Unsere Wettbewerbsfähigkeit auf den globalen Märkten wird durch die Veränderung der Wechselkurse beeinflusst. Für BASF entstehen Chancen und Risiken auf der Abnehmerseite vor allem bei Kursbewegungen des US-Dollar. Auf der Produktionsseite begegnen wir Wechselkursrisiken durch unsere Produktion in den jeweiligen Währungsräumen.
Höhere Chancen und geringere Risiken im Vergleich zum Vorjahr ergeben sich aus der aktuellen Einschätzung zum US-Dollar.
Finanzwirtschaftliche Währungsrisiken resultieren aus der Umrechnung zum Stichtagskurs in die funktionale Währung der jeweiligen Gruppengesellschaft bei Forderungen, Verbindlichkeiten und sonstigen monetären Posten im Sinne von IAS 21. Diese Risiken sichern wir bei Bedarf durch derivative Instrumente ab.
Sonstige finanzwirtschaftliche Chancen und Risiken
Finanzielle Risiken ergeben sich aus ungeplanten Kostenanstiegen, beispielsweise durch eine höhere Inflation als angenommen. Zusätzliche finanzielle Risiken stehen im Zusammenhang mit Effizienzmaßnahmen, die möglicherweise nicht wie geplant wirksam werden. Sonstige finanzwirtschaftliche Risiken, unter anderem Warenpreisrisiken, insbesondere in Bezug auf Rohstoffe wie zum Beispiel Naphtha, Benzol, Erdgas, LPG-Kondensat sowie Edelmetalle und Batteriemetalle, sichern wir bei Bedarf durch derivative Instrumente ab. Wesentliche Ausfallrisiken, die nicht bereits bilanziell berücksichtigt wurden, bestehen nicht. Mehr dazu in Anmerkung 25 im Anhang zum Konzernabschluss.
Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine ergeben sich weitere finanzielle Risiken durch potenzielle Vermögensverluste.