BASF-Bericht 2021

Luftemissionen, Abfall und Altlasten

Die Grafik stellt die verschiedenen Stationen entlang der Wertschöpfungskette dar. Das jeweils hellblau hervorgehobene Feld zeigt an, welche Station im jeweiligen Kapitel thematisiert wird. (hier: BASF, Kunden) (Grafik)

Wir wollen Emissionen in die Luft kontinuierlich senken, Abfälle vermeiden, den Boden schützen und damit die Auswirkungen unserer Tätigkeiten auf Mensch und Umwelt auf ein Minimum reduzieren. Wir betreiben unsere Anlagen sicher und effizient. Mit Ressourcen gehen wir verantwortungsvoll um. Die Umweltauswirkungen unserer Anlagen und Prozesse verringern wir stetig im Rahmen unseres Operational-Excellence-Programms.

Auf einen Blick

26.358 Tonnen

luftfremde Stoffe aus dem BASF-Geschäft

47,0 %

unserer Abfälle stofflich oder thermisch verwertet

  • Fortlaufende Kontrolle der Luftemissionen und Abfallströme als Basis für Verbesserungen
  • Kreislauf-Gedanke wesentlicher Bestandteil unserer Aktivitäten
  • Systematisches Management von Altlasten

Strategie

Der sichere und effiziente Betrieb unserer Anlagen sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen und Abfällen sind wesentliche Bestandteile unseres Responsible-Care-Management-Systems. Unsere globalen Standards zu Luftemissionen, Abfällen und Altlasten haben wir in gruppenweit gültigen Richtlinien definiert, für deren Umsetzung die Standorte und Tochtergesellschaften verantwortlich sind. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und internen Richtlinien überprüft die Corporate-Center-Einheit „Environmental Protection, Health & Safety“ regelmäßig im Rahmen von Audits. Im globalen BASF-Expertennetzwerk tauschen wir regelmäßig Informationen, Erfahrungen und gelungene Praxisbeispiele zur weiteren Reduzierung unserer Luftemissionen, zum Abfallmanagement und zum verantwortungsvollen Umgang mit Altlasten aus.

Die fortlaufende Dokumentation und Kontrolle von Luftemissionen, Abfallströmen und Altlasten sowie die Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen sind fester Bestandteil unseres Umweltmanagements. Zusätzlich zu Treibhausgasen erfassen und analysieren wir Emissionen luftfremder Stoffe, um potenziell schädliche Stoffe bestmöglich vermeiden zu können.

Unser Abfallmanagement basiert auf einer systematischen Erfassung der Stoffströme und folgt einer klaren Hierarchie: Wir wollen Abfälle weitestgehend vermeiden, zum Beispiel indem wir unsere Prozesse immer weiter optimieren oder neue Produktionsverfahren entwickeln. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die BASF-Verbundstruktur mit ihren vernetzten Anlagen und Wertschöpfungsketten. Wir nutzen sie für ein effizientes Management unserer Stoffströme. Nebenprodukte einer Anlage dienen im BASF-Verbund an vielen Stellen als Rohstoffe für andere Anlagen und Prozesse, wodurch wir Abfälle vermeiden und die eingesetzten Ausgangsmaterialien möglichst effizient nutzen.

Kommt eine Nutzung innerhalb der BASF-Verbundstrukturen nicht in Frage, prüfen wir Möglichkeiten für eine stoffliche oder thermische Verwertung. Materialien, die wir nicht verwerten können, beseitigen wir sicher, sach- und umweltgerecht. Wenn wir hierfür auf externe Entsorgungsbetriebe zurückgreifen, führen wir regelmäßig Audits durch und stellen so die fachgerechte Entsorgung sicher. Damit leisten wir auch einen Beitrag zum vorsorgenden Bodenschutz und verhindern, dass Abfälle von heute zu Altlasten von morgen werden. Wenn an aktiven und ehemaligen Standorten Schäden in Boden und Grundwasser entstanden sind, werden geeignete Sanierungsmaßnahmen geprüft und umgesetzt.

Neben der Optimierung unserer eigenen Prozesse engagieren wir uns entlang unserer Wertschöpfungsketten, um die Auswirkungen auf Luft und Boden zu reduzieren sowie unsere Entsorgungsmengen und Materialverbräuche möglichst gering zu halten. Von unseren Lieferanten erwarten wir, dass sie international anerkannte Umweltstandards einhalten. Dies überprüfen wir im Zuge unseres nachhaltigen Lieferkettenmanagements und unterstützen unsere Lieferanten dabei, Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, beispielsweise beim Umgang mit Abfällen. Unseren Kunden bieten wir zahlreiche Produkte, mit denen sich Luftschadstoffe oder Abfälle reduzieren lassen – angefangen bei Prozesskatalysatoren für die Industrie über Kraftstoffadditive und Katalysatoren für die Automobilbranche bis hin zu Additiven und Track-and-Trace-Technologien für eine längere Lebensdauer von Kunststoffen oder ein verbessertes mechanisches Recycling von Kunststoffabfällen.

Wir richten unser Handeln immer stärker am Prinzip der Kreislaufwirtschaft aus. Dies umfasst zum Beispiel den verstärkten Einsatz von recycelten und abfallbasierten Rohstoffen in unserer Produktion, die Wiederaufbereitung von Betriebsstoffen oder den Ausbau unserer Kapazitäten zur Rückgewinnung von Edelmetallen aus ausgedienten Automobil- und Industriekatalysatoren. Zudem entwickeln wir produktspezifische Recyclingtechnologien, häufig gemeinsam mit Partnern entlang unserer Wertschöpfungsketten. So treiben wir beispielsweise das chemische Recycling von gemischten Kunststoffabfällen und entsorgten Schaumstoffmatratzen voran oder arbeiten an neuen Konzepten für das Recycling von Batteriematerialien. Darüber hinaus engagieren wir uns in branchenübergreifenden Netzwerken und Initiativen zur Vermeidung von Abfällen und zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft. Hierzu zählen unter anderem die „Alliance to End Plastic Waste“ (Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt, siehe Kasten unten) oder die Ellen MacArthur Foundation.

Luftemissionen

Die absoluten Emissionen luftfremder Stoffe aus unseren Produktionsanlagen betrugen im Jahr 2021 26.358 Tonnen (2020: 24.496 Tonnen a). Die Emissionen von ozonabbauenden Substanzen nach dem Montreal-Abkommen lagen 2021 bei 17 Tonnen (2020: 14 Tonnen). Durch die sukzessive Umstellung auf alternative Kältemittel konnten wir diese Emissionen von 229 Tonnen im Jahr 2002 deutlich reduzieren. Die Emissionen von Schwermetallen 1 betrugen im Jahr 2021 2 Tonnen (2020: 2 Tonnen ª).

Emissionen in die Luft (Tonnen)

Luftfremde Stoffe aus dem BASF-Geschäft

2021

2020

CO (Kohlenmonoxid)

3.951

3.731 a

NOX (Summe Stickoxide)

11.450

10.646 a

NMVOC
(Flüchtige organische Kohlenstoffverbindungen ohne Methan)

4.988

4.532 a

SOX (Summe Schwefeloxide)

1.864

1.861

Stäube

2.154

2.000

NH3 (Ammoniak) und sonstige anorganische Stoffe

1.951

1.711

Summe

26.358

24.496 a

a

Der Vergleichswert für das Jahr 2020 wurde aufgrund von Datenaktualisierungen angepasst.

Mit verschiedenen Maßnahmen wollen wir unsere Emissionen weiter senken. So mindern wir zum Beispiel Stickoxide durch den Einsatz von Katalysatoren oder führen Abgase in den Produktionsprozess zurück. Ein Beispiel hierfür ist die Herstellung von Adipinsäure am Standort Ludwigshafen. Das dabei als Nebenprodukt anfallende Lachgas können wir bereits heute zu 99 % zersetzen oder in der BASF-Verbundstruktur verwerten. Künftig werden es sogar 99,9 % sein. Möglich wird dies durch ein im Jahr 2021 implementiertes Automatisierungsprojekt, das die Prozesse auf Basis wichtiger Anlagenparameter und mithilfe von vorausschauenden Modellrechnungen optimal steuert. Ziel ist es, jährlich rund 550 Tonnen Lachgas­emissionen zu vermeiden. Dies entspräche rund 145.000 Tonnen CO2-Äquivalenten.

Abfälle

Im Jahr 2021 fielen bei BASF 2,47 Millionen Tonnen Abfall an (2020: 2,21 Millionen Tonnen). Davon wurden 53,0 % beseitigt. Der Anteil gefährlicher Abfälle an der Gesamtmenge der beseitigten Abfälle lag bei 73,9 % (2020: 69,6 %). Bei allen Abfällen prüfen wir dem Konzept der Kreislaufwirtschaft folgend fortlaufend Möglichkeiten für eine stoffliche oder thermische Verwertung (siehe Abschnitt „Strategie“). Im Jahr 2021 konnten wir hierdurch 47,0 % unserer Abfälle einer neuen Nutzung zuführen. Für nicht verwertbare Abfälle ermitteln und evaluieren wir kontinuierlich die sichersten und umweltverträglichsten Entsorgungswege. Der Großteil unserer gefährlichen Abfälle wurde im Jahr 2021 verbrannt (77,7 %), wenn möglich mit Energierückgewinnung. 7,6 % der gefährlichen Abfälle wurden auf Deponien entsorgt. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um kontaminierten Bauschutt, der aufgrund rechtlicher Vorgaben nicht wiederverwendet beziehungsweise recycelt werden darf.

Abfallaufkommen der BASF-Gruppe (Millionen Tonnen)

 

Gefährlicher Abfall a

Nicht gefährlicher Abfall a

 

2021

2020

2021

2020

Stofflich verwertet

0,14

0,13

0,37

0,31

Thermisch verwertet

0,52

0,43

0,13

0,09

Verwerteter Abfall

0,66

0,56

0,50

0,40

Durch Verbrennen (ohne Energiegewinnung)

0,75

0,64

0,10

0,10

Auf Übertagedeponie

0,12

0,13

0,22

0,23

Andere b

0,10

0,10

0,02

0,05

Beseitigter Abfall

0,97

0,87

0,34

0,38

Gesamtes Abfallaufkommen

1,63

1,43

0,84

0,78

a

Die Klassifizierung der Abfälle in gefährliche und nicht gefährliche Abfälle erfolgt nach lokalen Vorschriften.

b

Physisch-chemische und biologische Behandlung, untertägige Entsorgung

Altlasten

Für unser Altlastenmanagement haben wir weltweit geltende Standards. Ein globales Netzwerk von Fachleuten sorgt für die Umsetzung. Zur Sanierung von Altlasten erarbeiten wir Lösungen, die Natur- und Klimaschutzaspekte, Kosten und gesellschaftliche Verantwortung in Einklang bringen. Dabei handelt es sich stets um maßgeschneiderte Einzelfallentscheidungen, die auf rechtlichen Rahmenbedingungen und dem Stand der Technik basieren. Belastete Standorte werden in einer Altlastendatenbank erfasst. Weltweit haben wir im Jahr 2021 laufende Sanierungsarbeiten planmäßig vorangetrieben und die Planungen weiterer Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen.

Mehr dazu im Anhang zum Konzernabschluss:

Gut zu wissen

Alliance to End Plastic Waste

2019 haben wir mit weiteren Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette – von Kunststoffproduzenten über Konsumgüterhersteller bis zu Entsorgern – die „Alliance to End Plastic Waste“ (Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt, AEPW) gegründet. Gemeinsam mit den inzwischen rund 65 Mitgliedern entwickeln wir Lösungen, die vermeiden, dass Kunststoffabfälle in die Umwelt gelangen, insbesondere in die Weltmeere. Im Fokus stehen dabei vier Handlungsfelder: Infrastrukturentwicklung für Abfallsammlung, Förderung von innovativen Recycling-Methoden, Aufklärung und Einbindung verschiedener Stakeholder sowie Säuberung von stark durch Kunststoffabfälle betroffenen Gebieten. Bis 2023 will die Initiative bis zu 1,5 Milliarden US$ investieren. BASF unterstützt beispielsweise mit dem Projekt ChemCycling™ das Ziel der AEPW, eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu etablieren.

1 Schwermetalle sind in der Zahl für Stäube enthalten (siehe Tabelle „Emissionen in die Luft“).

CO2-Äquivalente
CO2-Äquivalente (CO2e) sind eine Berechnungsgröße für den Einfluss von Treibhausgasemissionen auf den Treibhauseffekt. Ein Faktor (Global Warming Potential) gibt die Treibhauswirkung der einzelnen Gase verglichen mit CO2 als Referenzgröße an.
Verbund
Im BASF-Verbund sind Anlagen intelligent verbunden. In diesem System laufen chemische Prozesse mit geringem Energieeinsatz und hoher Produktausbeute ressourcenschonend ab. Die Nebenprodukte einer Anlage dienen an einer anderen Stelle als Einsatzstoff, wodurch effiziente Wertschöpfungsketten entstehen – von Grundchemikalien bis hin zu hochveredelten Produkten wie Lacken oder Pflanzenschutzmitteln. Unser Verbundprinzip – bei Produktion, Technologien, dem Markt und in der Digitalisierung – ermöglicht innovative Lösungen für eine nachhaltige Zukunft.
Wertschöpfungskette
Als Wertschöpfungskette wird die Aufeinanderfolge von Veredlungsschritten im Produktionsprozess bezeichnet, angefangen bei den Rohstoffen über verschiedene Zwischenstufen wie Transport und Produktion bis zum fertigen Endprodukt.

Kennzahlen­vergleich

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